Über den Film

Director’s note VON WERNER HERZOG

Ich wusste nichts von Gertrude Bell, bis zu dem Moment, wo mir der in Syrien geborene Produzent Nick Raslan Schuhkartons gefüllt mit ihren Briefen, Tagebüchern und Lyrik-Übersetzungen brachte. Mir war sofort klar, dass das eine ganz große Geschichte sein könnte – solange man den biographischen und historischen Aspekt im Hintergrund lassen würde. Herkömmliche Biographien funktionieren besser in der Form von Büchern, als Kinosujets indes gewöhnlich nicht, obwohl es da Ausnahmen gibt. T.E. Lawrence etwa war eine geniale Public-Relations-Persönlichkeit: Er hatte bei seinen Unternehmungen seinen eigenen Berichterstatter und Hagiographien dabei. Hier geht es um eine große Frauenfigur, mehr um ihre „Innenansicht“, ihr Verständnis für die mehr um ihre „Innenansicht“, ihr Verständnis für die Welt der Beduinen, für Lyrik und natürlich auch um ihre beiden tragischen Liebesgeschichten. Und so, wie der Urwald ein inneres Abbild unserer Fieberträume ist, hat die Wüste ebenso – nur in anderer Weise – die Qualität einer großen Metapher.

Die Dreharbeiten waren teilweise physisch sehr hart, zum Beispiel das Filmen während eines Sandsturms. Aber die eigentliche Schwierigkeit war die Tatsache, dass ich mit dem mir zur Verfügung stehenden Budget einen großen, epischen Kinofilm mit vier Weltstars gedreht habe. Was auf der Leinwand zu sehen ist, entspricht im Normalfall einem Hollywood-Budget von über 50 Millionen Dollar.

Nicole Kidman ist auf jeden Fall die ideale Besetzung. Eine Million Euro für den, der mir eine bessere Darstellerin findet!

NICOLE KIDMAN über ihr Abenteuer mit WERNER HERZOG und Gertrude Bell

„Ich nenne es ‚Werners Welt‘“, sagt Nicole Kidman. „Denn Werner Herzog erschafft ganz eigene, wunderbare Reiche. Ich habe zu ihm gesagt: ,Werner, ich fühle mich, als hätte ich die letzten zweieinhalb Monate mit dir in einem Traum verbracht. Jetzt muss ich wieder in die Realität zurückkehren.‘ Ich möchte erforschen, entdecken und Orte kennenlernen, an denen ich noch nie war. Ich wünsche mir ein erfülltes Leben. In diesem Fall bedeutete das, dass wir alle – meine Familie und ich – gemeinsam nach Marokko gereist sind, damit wir dieses einmalige Erlebnis teilen können.“

In Gertrude Bell entdeckte Kidman eine Art Seelenverwandte: Beide verbindet die Abenteuerlust. Kidman bewundert Bell sehr und kann ihre Leidenschaft für das Reisen bestens nachvollziehen: „Sie führte ein Leben, von dem ich nur träumen kann. Sie hat Erstaunliches geleistet, doch ihr stärkster Antrieb war ein bitterer Verlust – ein weiterer faszinierender Aspekt ihrer außergewöhnlichen Lebensgeschichte. In der Wüste fand Gertrude Bell Trost und so etwas wie Erlösung.“
Gertrude Bell war ihrer Zeit, in der die Gleichberechtigung von Frauen noch in weiter Ferne lag, voraus – erst recht, was ihren politischen Einfluss anging. Doch Nicole Kidman sieht auch die Ambivalenz ihrer Filmheldin: „Interessanterweise hielt Gertrude Bell überhaupt nichts von den Suffragetten und der Frauenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts.“

Ein neuer „Lawrence von Arabien“

Eine weitere Legende, die im Film auftritt, ist Colonel T. E. Lawrence – besser bekannt als „Lawrence von Arabien“ –, der von Robert Pattinson verkörpert wird. „Ich brauchte einen Briten, der immer noch wie ein Schuljunge wirkt, zugleich aber Souveränität ausstrahlt“, begründet Werner Herzog seine Casting-Entscheidung. „Robert spielt den Mann, der in seinen späteren Jahren als ‚Lawrence von Arabien‘ zur Legende wurde, im Alter von 22 Jahren. Wir begegnen ihm an einer archäologischen Ausgrabungsstätte. Pattinson ist sehr gut in dieser Rolle. Er ist ein intelligenter Mann, die Wahl lag im Grunde auf der Hand.“

Robert Pattinson beschreibt seinen Lawrence so: „Er kommt dem realen Mann sehr nahe, ist aber gewiss nicht der Lawrence von Arabien, den wir aus dem Filmklassiker kennen. Lawrence war sehr klein, so gesehen bin ich eigentlich nicht der Richtige für den Part. Aber ich glaube, dass ich seine Persönlichkeit ziemlich gut getroffen habe.“ Zumal Lawrence in KÖNIGIN DER WÜSTE keineswegs die Hauptfigur ist: „Der Film konzentriert sich ja auf Gertrude Bell“, betont Pattinson. „Es ging nie darum, einen zweiten ‚Lawrence von Arabien‘ zu drehen“, so der Star. „Ich genieße es, kleine Nebenrollen zu spielen. Denn dann hängt nicht der ganze Film von mir und meinem Part ab. So kann ich bedingungslos mit den Leuten zusammenarbeiten, mit denen ich arbeiten möchte.“

Über Regisseur Werner Herzog sagt Pattinson: „Es ist schon irre. Werner hat auch das Drehbuch geschrieben, und es ist eines der kompliziertesten Skripts, die ich je gelesen habe. Werner ist großartig – und genauso, wie man ihn sich vorstellt. Werner hat so viele tolle Geschichten zu erzählen! Und er ist extrem selbstsicher. Ich glaube, dass er seine Kreativität aus diesem Selbstbewusstsein bezieht. Er glaubt hundertprozentig an sich.“

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